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Das Verbot zu töten gilt auch für Tiere
 
Pflanzliche Nahrung und ethischer Vegetarismus - der erste Schöpfungsbericht läßt keinen Zweifel daran, daß der Verzehr von Tieren ursprünglich nicht zur gebotenen Nahrung des Menschen gehörte.
Die vegetarische Tradition des Judentums ist offenkundig: Unter den nahrungsbezogenen Segenssprüchen fehlt der Segensspruch über Fleisch. Auch über neue Lederkleidung und Schuhe wird kein Segen gesprochen, da sie an das  Leiden des getöten Tieres erinnern sollen.
 
 
Schechita und Kaschrut
 
Tötungsverbot und Tötungstabu wurden aufgehoben, indem das Töten von Tieren zu einem religiösen Akt erklärt wurde und als Tieropfer im Tempel unter bestimmten Bedingungen, - sie dienten dazu das Töten und die zur Tötung erlaubten Tierindividuen und Tierarten zu beschränken - erlaubte. Tiere dürfen seither, obwohl sie wie der Mensch als nefesch chaja, als mit Odem beseelte Lebewesen bezeichnet werden, getötet werden, und ihr Fleisch ist, sofern es die Bestimmunge der rituellen Reinheit erfüllt, "koscher" und zum Verzehr erlaubt.
 
Das historisch entstandene Handwerk der Schechita, stellt einen enormen Fortschritt des Tierschutzes bei Schlachtungen dar. In Zeiten, als Tiere erstochen, erschlagen, erdrosselt, gesteinigt wurden, schrieb  das Judentum die schonendst mögliche Methode des Schlachtens vor und entwickelte  geeignete Methoden und Ausbildungsweisen.
In der heutigen Zeit haben sich die Bedingungen des betäubungslosen religiösen Schlachtens verändert: industriell organisiertes Schlachten mit Wendeapparaten und im Akkord ist nicht mehr mit dem jüdischen Tierschutzgebot vereinbar.  Das Verbot, daß kein Tier die Todesangst und das Töten des anderen Tieres mitansehen darf, kann nicht mehr erfüllt werden.
Die Haltung der Tiere in den Fleischfabriken ist nicht mehr vereinbar mit den Geboten  der Tora,  die körperlichen, seelischen und emotionalen Bedürfnisse der Tiere zu achten.
Elektronenmikroskopische Verfahren zeigen: das Gebot, kein Blut zu verzehren, kann  nicht erfüllt werden, weil sich immer Partikel von Restblut im Fleisch befinden.
So wie um die letzte Jahrtausendwende die biblische Polygamie von Rabbi Meir HaGola aus Mainz weltweit abgeschafft wurde,  zugunsten der Monogamie als neuer Pflicht für die gesamte jüdische Gemeinschaft, da Polygamie  nicht mehr zeitgemäß und nicht mehr mit den Werten der Menschen kompatibel war, wird auch das Brauchtum (minhag) Judentum mit Fleischkonsum zu verbinden, aufgegeben werden.
Die Lösung lautet Vegetarismus, die seit je Forderung und ethische Orientierung der Schöpfungsberichte der Tora waren.
 
 
"Die Speisetafel des Menschen ist wie ein Altar" (Chagigah 27a).
 
Die Unterscheidung zwischen Tieren, die als "koscher" bzw. "treife" gelten (Leviticus 11:3, 11:9-19, 11:13-19), wird durch ein umfangreiches Regelwerk der Behandlung und  Zubereitung des Fleisches ergänzt.
 
 
 
 

Antisemitismus und der Vorwurf der Tierquälerei
 
Der christliche Antijudaismus, die traditionellen Judenfeindschaft der Kirchen, entstand im Bemühen der frühen Christen sich  von den eigenen jüdischen Wurzeln abzugrenzen, in der abendländischen Geschichte führte dies zu zahlreichen Irrtümern bei der Wahrnehmung  der jüdischen Traditionen, in deren Folge Vorurteile,   Haß- und Abwehrhaltungen entstanden, die bei den zahlreichen Judenverfolgungen und Pogromen eine herausragende Rolle spielten.
Der Umgang mit Tieren sind Tierprodukten spielte dabei eine wichtige Rolle.
 
Die jüdische Wertschätzung des Tieres, die Anerkennung der tierlichen Seele, seiner Leidens- und Empfindungsfähigkeit, die jüdische Tierschutzethik und der aktive Tierschutz wurden ins Gegenteil verkehrt und als Grausamkeit bezeichnet.
 
"Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere ist geradezu eine empörende Roheit und Barbarei des Okzidents".
(Isak Unna: Tierschutz im Judentum, Frankfurt am Main 1928) 
 
Als Teil der Nürnberger Rassegesetze  wurde den deutschen Juden 1942  das Halten von Haustieren verboten. Obwohl die deutsche Tierschutzbewegung von völkischen und antisemitischen Kräften mißbraucht und die Fiktion der "arischen, germanischen Tierliebe" und der "jüdischen Tierquälerei" erfunden wurde, wobei das "Schächten" bis heute als Beispiel dafür herangezogen wird, haben es die deutschen Tierschutzverbände bis zum heutigen Tage unterlassen, diese Verstrickungen mit der NS-Ideologie und die heute wieder aktuelle tierschutzbezogene Judenfeindschaft aufzuarbeiten. Sie sind daher immer noch virulent und wurde nie einer kritischen Hinterfragung unterzogen!
Durch die erneute Salonfähigkeit von Israel- und Judenfeindschaft, haben sich heute wieder einflußreiche judenfeindliche Kräfte in der deutschen Tierschutz- und Tierrechtsbewegung angesiedelt, deren gegen Juden und den jüdischen Tierschutz gerichtete Haßtiraden von den Verbänden stillschweigend geduldet werden.
 
Eine Distanzierung gegen diese Diskriminierung und Diffamierung des jüdischen Tierschutzes durch  findet nicht statt.
Obwohl viele Juden und Jüdinnnen das betäubungslose jüdische Schlachten (Shehita) im Akkord   ablehnen, ebenso die industrielle Produktion und Haltung von Tieren in Tierfabriken und lange Transportwege u.v.a., lehnen wir es ebenso ab, uns im Rahmen von Antischächt-Kampagnen instrumentalisieren zu lassen von jenen, die sich nicht die Mühe machen, die Tierrechtslehre des Judentums anzuerkennen. 
 
 
 
Antisemitismus und Tiervergleich
 
Von alters her ging die Verachtung des Tieres einher mit der Beschimpfung von verachteten Menschen. Tiere wurden zu Instrumenten, um Menschen zu demütigen und zu verfolgen. Tiere, insbesondere Hunde, aber auch Nagetiere wurden und werden dazu abgerichtet, verachtete Menschen anzugreifen, zu verletzen, zu töten, oder zu foltern.
An die Stelle der Sau, die durch ein Dorf getrieben, gequält, und getötet wurde, trat der jüdische Nachbar. Die Verachtung für Tier und Mensch wie sie in einem Unwort wie Judensau zum Ausdruck kommt, zeigt, daß Tierquälereien und Menschenhaß nahe beieinander lagen und liegen - psychologisch und kulturgeschichtlich.

Holocaust der Tiere
 
Der Vergleich provoziert und verletzt. Doch die Ähnlichkeiten der industriell-organisierten Vernichtung von Menschen und von Tieren liegen auf der Hand:
 
* Die Ideologie des lebensunwerten Lebens bei den Nazis und  in der Gentechnologie.
* Die Aufhebung der Vorstellung der Person und der Körpergrenzen.
*Die Verwertung der Körper als Fleisch, als Produkte als Material, Waren,  Explantate.
*Der Verlust der Personwürde - und der Würde des Sterbeprozesses.
*Die Ideologie einer Endlösung wie sie heute in Keulungsaktionen angesichts der oft von Züchtern und Wissenschaftlern selbst erzeugten Tier-Epidemien zum Ausdruck kommt.
*Die Versachlichung und Rationalisierung des Tötens als Problemlösung.
 
Der öffentliche Aufschrei über die  politisch nicht korrekten Bezeichnungen  wie Hühner-KZ,  führte zu Abwehrreaktionen; das Leid der Tiere "darf"  erneut als Bagatelle hingestellt werden.  Für das Leiden der Tiere muß  eine eigene Sprache gefunden werden. Vergleiche relativieren nicht nur das Leid der Menschen, sondern auch das Leid der Tiere. 
 
 

Jüdische Tierliebe
 
Tierliebe ist für den Menschen, der die Seele der Tiere erkennt, ein Geschenk.  Respekt und Achtung für Tiere eine Selbstverständlichkeit.
Die Neigung des jüdischen Menschen oft ein wenig zu übertreiben, zeigt sich zuweilen in der Bindung an Tiere. Wer jüdisch und tierlieb ist, ist es ziemlich konsequent. Die intensiven Trennungs- und Verlusterfahrungen wie sie jüdische Menschen durch  jahrhundertelange Erfahrungen der Verfolgung quasi in den Genen und in den Familiengeschichten gespeichert haben, fördert das Mitgefühl für Tiere. Der jüdische Mensch sucht und findet unter Tieren Seelengefährten und vermag ihnen einen ein Leben lang treu zu bleiben.
 
Um ein Tier zu verstehen, um das eigene Tier zu  verstehen, ist auch Selbsterkenntnis vonnöten. Vor allem Wissen um die eigenen Erwartungen, Wünsche, Schwächen, kurzum die Abgründe der eigenen Seele. Etwa der Wunsch, Kontrolle zu haben, Macht, das letzte Wort zu behalten.
Wie gerne hätte ich gut erzogene, perfekte Tiere. Doch Tiere sind auch nur Menschen.
 
Mit den Worten von  Rabbiner Abraham Kook:
 
"Es sollte kein Zweifel daran bestehen, daß der Begriff der Herrschaft (des Menschen über die Natur) wie er in der Tora erwähnt wird, nicht bedeutet, daß ein Despot das Ruder ergreift und alle anderen Lebewesen tyrannisiert und sie unterjocht, um eigene selbstsüchtige Interessen mit kaltem Herzen zu verfolgen. Dies lag nicht im Sinn des Schöpfers der Welt, der sich ja gerade durch Milde, Gnade, und Mitgefühl auszeichnet und von dem gesagt wird, "er wird eine Welt der Freundlichkeit errichten."
 
 
Heimtierhaltung und jüdischer Alltag
 
Tierhaltung und jüdische Lebensführung schließen sich nicht aus. Im Gegenteil.
Die alltäglichen Verrichtungen bei der Versorgung der Tiere können den Menschen Demut lehren und Hingabe.
Das Tier soll gefüttert werden, bevor der Mensch sich selbst versorgt; dem Tier muß Schabbatruhe gewährt werden, der Mensch hingegen ist angehalten, die eigene Ruhezeit zu  unterbrechen, um das Tier zu versorgen.
 
Im Umgang mit Tieren ist der Mensch zudem mit den eigenen Schwächen, der Neigung zu Ungeduld und Rastlosigkeit konfrontiert.
Der Umgang mit Tieren, die verletzlich sind und sanft,  und zugleich unvorstellbar stark, die ihren eigenen Kopf haben und ihren Menschen ebenso an der Leine führen wie umgekehrt, der Umgang mit Tieren, die sensibel sind, das Unbewußte des Menschen hören,  sehen, fühlen, darauf antworten: darin liegen die unentdeckten inneren Welten, die sich in der Begegnung mit Tieren erschließen.
 
Verbot der Sodomie und Forderung nach strafrechtlicher Verfolgung.
Sexuelle Handlungen an Tieren entspringen einer Fehlhaltung;  sie sind Ausdruck einer Kultur der Gewalt, einer von Medien mitgetragenen Ästhetisierung von Vergewaltigungen und Tierverachtung.
Sie sollten wie bereits in der Tora-, auch in modernen Gesellschaften  verurteilt und sanktioniert werden.
 
 
 

Ökokaschrut
 
Die Speisegesetze unterscheiden zwischen reiner und unreiner, koscherer und treifener Nahrung.
In der heutigen Zeit müssen die Qualitätsanforderungen wie sie durch die Schechita und Kaschrut zum Ausdruck kommt, ergänzt werden durch tiergerechte und tierschutzbestimmte Haltungs-, Transport-, und Schlachtbedingungen.
"Koscher"  bedeutet einst wie heute tiergerecht und dem Tierschutz verpflichtet. Unter allen Umständen. Auch wenn dies bedeutet: Gewohnheiten des Menschen verändern!
Judentum bedeutet nicht "Fleischessen" und "Kochrezepte verehren".
Das Fleisch gequälter Tiere ist niemals koscher.
Aus  Intensivmast- und Akkordschlachtanlagen kann kein koscheres Fleisch, keine koschere Milch, kein koscheres Ei gewonnen werden.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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